Sicher Reisen in Marokko

Der „Arbeitskreis Sicher Reisen in Marokko“ wurde im Oktober 2021 von auf Marokko spezialisierten Reisebuchautorinnen sowie Riad- und Hotelbesitzer*innen gegründet, um über die Sicherheitslage im Land zu informieren. Unserer Meinung nach wird die aktuelle Situation im Zusammenhang mit der Corona-Krise und der angespannten diplomatischen Lage nicht selten falsch oder unzureichend dargestellt. Wir möchten mit diesem Informationsblatt zur Aufklärung von Reisenden beitragen.

Corona

Die Situation in Marokko

Die Anzahl derjenigen, die mit Corona infiziert sind, liegt in Marokko deutlich unter den Zahlen der Infizierten in Deutschland. Natürlich gibt es in beiden Ländern Dunkelziffern, die wir jedoch nicht einordnen können. Wer bei Google „Maroc Corona Stats“ eingibt bekommt automatisch alle relevanten Zahlen – auch im Vergleich zu anderen Ländern. Die Statistik zeigt, dass die Zahl der Neuinfektionen seit Mitte August täglich sinkt. Grund hierfür ist das marokkanische Krisenmanagement gegen die Ausbreitung des Virus. Es gab von Anfang an eine strikte (und auch eingehaltene und kontrollierte) Ausganssperre und eine landesweite Maskenpflicht. High-Tech-Anwendungen wie Drohnen oder eine Tracking-App kamen zum Einsatz, ab 2021 gefolgt von einer höchst effektiven Impfstrategie. Heute (Stand Oktober 2021) sind 52 % der Bevölkerung komplett durchgeimpft, über 70% der Menschen im Land haben zumindest die erste Impfdosis erhalten. Darüber hinaus liegt die Impfquote bei Menschen, die im Dienstleistungsbetrieben arbeiten (v.a. Restaurants, Riads, Hotels, Transport Touristiques) sehr viel höher, als in der restlichen Bevölkerung, sprich klar über 52%.

Da diese Maßnahmen schnell und unbürokratisch in Marokko umgesetzt wurden, blieben katastrophale Zustände wie in manch‘ anderen Ländern (z.B. USA oder Brasilien) aus. Dennoch wird Marokko auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes als Hochrisikogebiet eingestuft und wird damit als gefährlicher dargestellt als z.B. Frankreich, obwohl die Zahlen dort deutlich höher sind als in Marokko. Hinzu kommen Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes, die von nicht notwendigen touristischen Reisen (u.a. auch wegen der diplomatischen Krise zwischen Deutschland und Marokko, s.u.) abraten.

Seit Beginn der Pandemie im März 2020 herrscht in Marokko (wie übrigens auch in Deutschland und Frankreich) der sogenannte Gesundheitsnotstand. Derzeit gilt er bis zum 31.10.21. Ob er danach aufgehoben wird, ist unklar. Das bedeutet, dass die Regierung jederzeit und ohne große Ankündigung Maßnahmen zur Pandemieeindämmung beschließen kann.

 

Die Anreise nach Marokko

Den Gesundheitsnotstand hat Marokko zwischen März und August 2020 sowie zwischen Februar und Juni 2021 genutzt, um die Grenzen und den Luftraum zu schließen. Dazwischen waren und seit Juni 2021 sind die Grenzen wieder offen und man kann problemlos einreisen. Dennoch vermitteln die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes und der Deutschen Botschaft in Rabat den Eindruck, dass man nicht nach Marokko einreisen kann. Denn auf deren Internetseiten steht zu lesen, dass der Luftraum nach Marokko grundsätzlich geschlossen sei, und Reiseverbindungen von und nach Marokko nur eingeschränkt mit Sonderflügen möglich. Das ist zwar faktisch richtig, da es sich die marokkanische Regierung bei entsprechender Pandemielage vorbehält, die Flugverbindungen kurzfristig auszusetzen, doch tatsächlich ist der Luftraum nicht gesperrt. Es findet ein ganz regulärer Flugverkehr statt. Denn Marokko hat an so gut wie alle Fluglinien Sonderflug-Lizenzen vergeben. Insofern ist die Aussage „es finden nur Sonderflüge statt“ zwar richtig, in der Sache jedoch absolut irreführend und nicht ausreichend formuliert, da alle vorher regulären Flüge nun Sonderflüge sind. Es hat sich also letzten Endes nur der Name geändert. Man kann mit Easyjet, Ryan Air, Royal Air Maroc, Lufthansa etc. einreisen. Alle diese Airlines bieten Flüge an – ganz wie in vorpandemischen Zeiten. Zur Veranschaulichung: Marrakesch wird derzeit von täglich 70 Maschinen angeflogen.

 

Die Einreise nach und die Ausreise aus Marokko

Die Einreise nach Marokko ist für Geimpfte und Genesene problemlos möglich.

Voraussetzungen sind:

  1. Eine Vollständige Impfung mit Nachweis (international, QR-Code, der gelbe Impfausweis gilt nicht) oder
  2. Einen Genesenennachweis (auch international oder QR-Code) mit negativen PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden sein darf.

Kinder unter 11 Jahren dürfen ohne Impfung oder Test einreisen.

Wer nicht geimpft oder genesen ist, kann mit einem negativen PCR Test, der nicht älter als 72 Stunden bei Einreise sein darf, einreisen.

ALLE Einreisenden müssen ein Gesundheits-Einreiseformular (https://www.onda.ma/form.php auszufüllen. Es liegt meist auch bei Einreise an den Flughäfen aus.

 

Für nicht Geimpfte (egal ob Genesen oder nicht) gelten bei der Rückreise nach Deutschland folgende Regeln: Es muss vor Abreise nach Deutschland entweder ein PCR- oder einen Schnell-Test in Marokko gemacht werden.

Da Marokko in Deutschland als Hochrisikogebiet gilt, müssen sich Ungeimpfte und Genesene trotz negativen Tests in Quarantäne begeben. Die genauen Quarantäne-Regeln für ungeimpfte Einreisende (das gilt auch für Genesene) aus Marokko finden sich hier: https://rabat.diplo.de/ma-de/quarantaene-einreise/2371468.

 

Wer geimpft ist, braucht bei der Rückkehr aus Marokko keinen Test und muss auch nicht in Quarantäne.

 

ALLE Rückreisenden müssen bei Einreise nach Deutschland eine digitale Anmeldung vornehmen. Diese wird einen automatisch aufs Smartphone geschickt, sobald man wieder deutsches Telefonnetz hat. Das gilt auch für die Einreise aus europäischen Nachbarländern.

 

Reisen im Land

Aufgrund des Gesundheitsnotstandes gibt es in Marokko ein paar Dinge zu beachten.

  1. Es gibt derzeit (Oktober 2021) eine Ausgangssperre zwischen 23 und 5 Uhr. Auch wenn sich nicht immer alle daran halten, gilt: Bei Nichteinhaltung aus nicht triftigen Grund ist ein Bußgeld von 300 DH fällig. Triftige Gründe sind: Anreise oder Abreise, Arbeit oder Arzt- bzw. Krankenhausbesuch.
  2. Wer geimpft ist, kann sich im Land frei bewegen. Überlandreisen sind für Geimpfte überhaupt kein Problem. Weder in öffentlichen Verkehrsmitteln noch in privaten Autos. Da die Busse jedoch bislang nur mit 75% ausgelastet sein dürfen, ist es sinnvoll ein wenig vorausschauender zu planen als in nicht-pandemischen Zeiten.
  3. In allen Innenräumen gilt grundsätzlich Maskenpflicht. Daran sollte man sich halten, auch wenn es ringsum so scheint, als gäbe es die Maskenpflicht nicht. Auch in Restaurants, Cafés und Hammams gilt: Sie dürfen nur beschränkt ausgelastet werden (zwischen 50 und 75%), weshalb Reservierungen bisweilen notwendig sind.

Auch hier noch einmal der Hinweis: Gesundheitsnotstand bedeutet nichts anderes, als dass es sich die marokkanische Regierung vorbehält, schnell auf steigende Zahlen reagieren zu können.

 

2G in Hotels und auf Campingplätzen

Viele Hotels, Campingplätze und Maison d’hôtes verlangen inzwischen aus Sicherheitsgründen einen 2G-Nachweis, weshalb es für Ungeimpfte im Land bisweilen schwierig sein kann, Unterkunft zu bekommen. Wer ungeimpft ins Land reist, muss seine Reise Stand heute (Oktober 2021) also sorgfältig vorher planen und ggf. die Unterkünfte bereits im Vorfeld reservieren.

 

Wer ungeimpft mit dem eigenen Fahrzeug durch das Land reist, braucht nach offiziellen Angaben Genehmigungen, um von einem Bezirk in den anderen zu reisen. Diese Genehmigungen kann man sich nur in Marokko ausstellen lassen.

 

Ein besonderer Hinweis gilt für Camper, die mit dem eigenen Wohnmobil (und ggf. auch Hunden) einreisen: Der Fährverkehr zwischen Spanien und Marokko ist bis auf Weiteres (auch aus politischen Gründen) ausgesetzt. Die Fähren ab Frankreich und Italien fahren jedoch. Sollte es je zu Grenzschließungen kommen (was unserer Meinung nach ausgesprochen unwahrscheinlich ist) ist anzunehmen, dass die Sicherung einer der wenigen Fährplätze nach Frankreich oder Italien kompliziert wird, da diese Strecken deutlich weniger frequentiert sind, als die nach Spanien.

Die diplomatische Krise zwischen Deutschland und Marokko

Auf den Internetseiten der Deutschen Botschaft und des Auswärtigen Amtes wird neben der Einstufung Marokkos als Corona-Hochrisikogebiet vor Reisen nach Marokko gewarnt, da die Botschaft nur sehr eingeschränkt arbeitet und eine konsularische Unterstützung deshalb fast nicht möglich sei.

Wir vom Arbeitskreis Sicheres Reisen in Marokko glauben jedoch nicht, dass es einen Grund gibt, deshalb von einer Reise nach Marokko Abstand zu nehmen. Denn der normal Reisende BRAUCHT IN DER REGEL KEINE DEUTSCHE BOTSCHAFT, um in Marokko zu reisen und im Notfall gibt es auch weiterhin Hilfe von den deutschen Konsulaten.

Hintergrund für die diplomatischen Unstimmigkeiten zwischen Deutschland und Marokko ist die Haltung der Deutschen Regierung in der Frage der marokkanischen Sahara (Westsahara). Marokko hat seine Behörden angewiesen, den Kontakt zur Botschaft einzustellen. Das bedeutet konkret: Sofern es bei einer Hilfestellung nicht den Kontakt einer marokkanischen Behörde braucht, können Botschaft und Konsulate selbstverständlich helfen. Das gilt zuallererst bei dem Verlust eines deutschen Passes, aber auch bei schlimmer Krankheit. KEINE Hilfe darf man hingegen er