Seit etlichen Tagen bereits sind wir in Marrakech umgeben von einer blökenden Nachbarschaft: In fast jedem Haushalt hat sich in den letzten Wochen ein weiterer Hausbewohner dazu gesellt: der Hammel. Er wohnt auf Dachterrassen, Balkonen und in Wohnzimmern.

Morgen, zum Hammelfest muss er sein Leben lassen.

Etwa 50% der marokkanischen Schafproduktion geht bei diesem einen Tag drauf (Le Matin), denn jedes männliche Familienoberhaupt sieht sich verpflichtet, zum Hammelfest ein Tier zu schlachten. Und dennoch ist der Hammel Mangelware in diesen Tagen und sein Preis steigt je näher das Fest rückt. Beim Hammelfest wird das Budget eines marokkanischen Haushaltes auf eine harte Probe gestellt: Denn bereits der Normalpreis für einen Hammel liegt fast schon beim gesetzlichen Mindesteinkommen  eines Marokkaners, dem SMIG. In diesem Jahr sind die Preise aufgrund der trockenen Monate noch mehr angestiegen und können somit 2500-3000 DH betragen (Jeune Afrique). Knapp werden sie außerdem: Wer noch heute einen Hammel sucht, sucht wohl vergebens. Geschickt also, wer sich zeitig einen Hammel sichern konnte, als die Preise noch nicht ins unermessliche gestiegen waren.

Doch mit den Kosten für das Schlachtvieh nicht genug, es muss die kulinarische Garnitur für das Fleisch gekauft werden, der Metzger will bezahlt sein – möchte der Hausherr nicht selber schächten – , die Kinder sind neu einzukleiden – und last but not least: ein neuer Kühlschrank muss her, um die zähen Fleischreste gut zu konservieren. Was immer noch nicht hinein passt, wird auf der Dachterrasse zum Trocknen ausgelegt.

Die Kreditinstitute nehmen sich dieser Situation an und werben mit tanzenden, hüpfenden und singenden Schafen:

Auch wir vom Riad haben die Löhne und Hammelboni früher ausgezahlt, auf dass jeder sein Tier zeitig und günstig erwerbe, seinen neuen Mitbewohner sorgsam pflege und sich auf ein schönes Familienfest freue.

Das Riyad El Cadi wünscht ein schönes Hammelfest: Aid Mabrouk!

 

(Photos: www.lebaroude.wordpress.com)