Wer sich schon immer gewundert hat, warum Starbucks und Co statt eines ordentlichen, handfesten Tchai Nana – so nennt sich der marokkanische Tee mit der frischen Minze – eine hellgrüne, geschmacklose Plörre anbieten, der erhalte nun Aufklärung.

Das erste Geheimnis der Teezubereitung ist der Tee selbst. Es wird nicht – wie man glauben möchte – schlicht kochendes Wasser über ein paar Blätter grüner Minze gegossen. Nein, das kochende Wasser kommt in die Kanne auf einen Teelöffel von grünem Tee, vorzugsweise ein Gun Powder der einfachsten Qualität. Dieser Tee wird nun  – und jetzt wird auch das Geheimnis um die marokkanische Teekanne mit dem immer heißen Henkel gelüftet – in der Kanne auf das Feuer gestellt und nochmals aufgekocht. Es ist nun wohl verständlich, warum die marokkanische Teekanne nie einen Holz-, Kunststoff- oder gar edlen Horngriff vorsieht. Statt dessen hübscht man lieber nach der Teezubereitung die Kanne mit einem possierlichen Henkelbezug auf und vermeidet damit übelste Verbrennungen an den Fingern.

Das zweite Geheimnis ist die Minze. Wir verwenden nicht nur zwei, drei Blättchen, sondern eine Hand voll. Eine Männerhand voll. Eine große Männerhand voll der aromatischsten, in der Sonne gewachsenen, großblättrigen marokkanischen Minze.

Das dritte Geheimnis sind Zucker und das Gießen. Der grüne Tee ist durch das Aufkochen bitter geworden, der Zucker MUSS hinein, damit der Tee überhaupt genießbar ist. Damit die Aromen sich auch besonders gut verteilen können, muss der Tee nicht nur ordentlich gerührt werden, sondern einige Male von Kanne ins Glas und  dann wieder zurück gegossen werden. Für den Geschmack ausgesprochen zuträglich ist die anschließende Durchlüftung des Tees beim Gießen aus einem Meter Höhe. Hierbei wird offenbar, ob der Tee auch wirklich ein Erfolg ist: schäumt das Gebräu, hat man alles richtig gemacht. Daher sollte man das Gießen immer vor dem Gast erledigen: er wird zufrieden sein, wenn es nur kräftig schäumt.