Brüder Lamdaghri im Bazar du Sud

Ein Prinz wollte sich unser Haus anschauen. Das Personal seines Hotels hatte sich überschlagen vor Eifer in dem Bemühen, uns deutlich zu machen, dass eine veritable Hoheit sich die Ehre gab, unser bescheidenes Riad aufzusuchen.

Es trafen ein: eine matronige Dame mexikanischer Herkunft, ein gesprächiger Künstler mit deutschem Akzent, eine undurchsichtige, dunkle Figur von Mann mit einer Jacke, wie ich sie Anfang der 90er in einem Geschäft für Damenmoden erstanden hatte, sowie ein Herr mit vollen Lippen, schwarzen, von sattem Öl glänzenden Locken, die ihn überlang in den Nacken wuchsen, in seiner Hand die Gebetskette mit gelben Perlen.

Lange blieb unklar, wer der Prinz denn nun sei – war es einer aus dem deutschen Kaisergeschlecht mit einer mehr oder weniger nahen Anwartschaft auf den Thron, oder ein arabisch/indischer Prinz oder war die ganze Mannschaft gar nur ein perfides Diebesteam? Der Künstler zeigte sich unentwegt euphorisch begeistert , die Mexikanerin als Grande Dame. Sprachlos und finster blieb die dunkle Entourage.

Erst in unserer Osmanischen Suite lockerte sich das bislang unbewegte Gesicht unseres Gastes mit den öligen Locken. Hier entdeckte Seine Excellenz zu seiner unverhohlenen Begeisterung Bekanntes, die Gebetskette geriet in heftigere Bewegung und ich avancierte plötzlich zu seiner Vertrauten mit profunden Kenntnissen in der Textilkunst des Ferneren und Nahen Osten sowie des gesamten Nordafrika. In gelöster Stimmung kaufte er unsere Boutique leer, nachdem ich ihm etwas vage mitteilte, dass alles alt, aber das eine oder andere insbesondere aus dem ausgehenden 19. Jh sei. Schließlich wies er seinen Adjutanten an, die Rechnung mit einem in dessen Köfferchen befindlichen Stapel an rosa Scheinen zu begleichen.

Nun war der Hunger des Sammlers aus Qatar nach mehr geweckt: auf zu Moulay Cherif im Bazar du Sud mit seinen wunderschönen Teppichen und Textilien. Stapel fielen, unzählige Stücke wurden auf dem Boden für den Prinzen ausgebreitet, doch der ungerührt, blätterte in einem Buch. Kein Ton, kein Lächeln – steinerne Maske; Moulay Cherif schwitzte. Schließlich die entschiedene Anweisung: Ich will das alles nicht sehen, mich interessiert nicht die Masse, ich will nur altes, zeig mir Deine vier ältesten Stücke. Es wurden verschiedene vier älteste Stücke gezeigt, die ihn nicht alle zu überzeugen schienen: immer wieder die Frage: sind die wirklich die ältesten?

Schließlich war der Rat der Expertin in Sachen Textilien Nordafrikas gefordert: Welches von den weißen, meinst Du, ist das älteste? Ist dieses Stück älter als dasjenige, das ich bei Euch gekauft habe? Nun, tja…. alt sind sie alle, wie gesagt…. Angeschaut hat er sich keines davon, gekauft hat er die vier ältesten – mit lauter rosa Scheinen aus dem Köfferchen seines Adjutanten.